1. VCH-Open

zum
Schachverein Gryps
in Greifswald

Ausschreibung

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Bericht

Berlin, 01.09.2008
Bericht zum 1. VCH – Open Schachturnier in der Hansestadt Greifswald
In jeder Ecke Deutschlands findet man schachverrückte Menschen, die nicht nur schachspielen sondern auch schachleben.
Das sagte ich mir, als ich im Mai die Internetseiten des Landesschachverbandes Mecklenburg – Vorpommern nach neuen Bekanntschaften durchforstete angesichts des Wunsches, für unser bevorstehendes 60. Gründungsjubiläum eine Vereinsfahrt zu organisieren. Ein lohnendes Reiseziel sollte die Heimat dieses Vereins sein, nicht Tagesreisen von Berlin entfernt, mit bequemer Unterbringung vor Ort, mit zu uns passender Leistungsstärke und vor allen Dingen mit netten Leuten. So fiel die Wahl auf den SV Gryps aus Greifswald.
Der Vorstellungsbrief an den Vereinsvorsitzenden war schnell geschrieben in der Hoffnung, sofortigen Kontakt zu bekommen. Aber wie so oft im Leben, andere Leute haben auch was zu tun und so musste ich feststellen, dass ich mich besser telefonisch und vor Ort vorstelle. Da kam mir die Ausschreibung des 1. VCH – Open, einem fünfrundigen Normalschachturnier mit leicht gekürzter Bedenkzeit (90 min. für 40 Züge +30 min.) vom 29. bis 31. August 2008 gerade recht, um den äußerst rührigen und netten Organisator und Spielleiter der Grypser Guido Springer (wie sinnig: hier hat der Familienname schon was mit Schach zu tun !) kennen zu lernen und meldete mich für das Turnier an.
Ich war erstaunt, dass man für das Startgeld von 7 Euro ein dreitägiges Turnier organisieren kann, selbst wenn die ausgesetzten Preise ein Pokal mit Kiste Sekt für den 1.Platz und Buchpreise für Nächstplatzierte waren. Ein Hauptgrund ist sicherlich das großzügige Gastgeberumfeld der VCH – Hotelkette (VCH = Verband Christlicher Hoteliers), die offensichtlich ein Herz für den Schachsport haben, dem SV Gryps kostenlos Veranstaltungsräume zur Verfügung stellen und preiswerte Hotelzimmer mit moderner Ausstattung (rund 40 Euro je Übernachtung mit Frühstück im Einzelzimmer) für die Unterbringung der Gästespieler anbieten. Und wenn bedenkt, dass neben Schach auch noch ein Bowlingabend für geringen Beitrag geboten wurde, kann man davon ausgehen, dass ich ein schönes Wohlfühlwochenende hatte.
Schachlich gesehen wurde ein überschaubares, aber jederzeit familieres Turnier durchgeführt, dem man mehr Beachtung und Beteiligung gewünscht hätte. Dafür war das Teilnehmerfeld mit 10 Teilnehmern (vier Auswärtige aus Schwerin, Neubrandenburg, Briesen und Berlin) äußerst ausgeglichen und bot Spielern mit DWZ zwischen 1570 und 1700 ein echtes Leistungsturnier. Ich nahm das gern an, musste aber feststellen, dass nicht immer alles wunschgemäß klappt, wenn man leistungsmäßig an Startposition 7 gesetzt ist.
In der 1. Runde am Freitagabend hatte ich mit Weiß gegen den 19-jährigen Hoffnungsträger von Gryps Lars Romoth, der eigenartigerweise gegen andere im weiteren Verlauf schwächelte, kaum eine Chance und musste in meiner gewohnt rumpligen Spielweise erst einen schwachen Doppelbauern auf der e-Linie hinnehmen und ihm schließlich Material zum Sieg schenken.
In Runde 2 fühlte ich mit Schwarz gegen Ronald Schulz von Turbine Neubrandenburg wesentlich besser. Es kam der selten mit 2.c3 gespielte Sizilianer auf den Tisch. Weiß schob seinen Damebauern bis d6 vor und es entstand ein zweischneidiges Spiel, in dem ich jederzeit Paroli bieten konnte, weil er nicht immer konsequent spielte. Nach dem Abtausch hatte ich Läufer mit 5 Bauern gegen Springer mit 4 Bauern, das sicherlich gewinnbar war. Aber ich hatte angesichts des schönen Sommerwetters am Sonnabendvormittag keine Lust auf langwieriges Endspielgeknete und bot ihm ein freundschaftliches Remis an, das mein Gegner freudig erwiderte.
Durch dieses Gastgeschenk musste ich nach dem Mittagessen in Runde 3 gegen den krassen Außenseiter Olaf Schmidt vom Gastgeber mit Weiß antreten. Wieder hatte ich Schwierigkeiten, vernünftig aus der Eröffnung zu kommen. Dem Schwarzen gelang es, im Zentrum der schwarzen Hauptdiagonale einen Bauernriegel zu installieren, der mich ganz schön ins Schwitzen brachte und an dessen Beseitigung ich mir 25 Züge lang die Zähne ausbiss. Diese beiden Bauern hatte ich aber nur zum Preis eines Tripelbauern auf der e-Linie gewonnen, so dass der Sieg noch in weiter Ferne lag. Nach 62 Zügen war es dann aber doch so weit. Es war ein glanzloser Arbeitssieg, bei dem ich meinem Gegner eher für seine gute Leistung gratulierte.
Nach einem wunderbaren Bowlingabend, an dem viele bewiesen, dass sie auch hier Könner sind (ich wurde mit durchschnittlich jeweils 120 Punkten in den 3 Runden auch nur Mittelprächtiger), entwickelte sich in Runde 4 am Sonntagmorgen gegen Ralf Kriese vom Greifswalder SV ein scharfes und interessantes Spiel. Es wurde der sizilianische Anti-Drachen gegeben und ich hatte mit Schwarz die Aufgabe, dem Löwen die Zähne zu ziehen. Das gelang auch prächtig, da der Weiße nicht im Stande war, mich am Königsflügel aufzureißen. Doch nach dem Damen- und Läuferabtausch überschätzte ich meine Stellung. Ich musste mich nach Materialverlust geschlagen geben und hatte nach 90 Minuten fertig. Ab in die schöne Vormittagssonne.
In Runde 5 mit Weiß wartete Vater Romoth vom SV Gryps noch auf mich, der mit seiner vermeintlichen Unterklassigkeit auch erst einmal besiegt werden wolte und keinesfalls zu unterschätzen war. Aber er machte für seinen Sohn wieder alles gut und ließ mich durch ein grobes Versehen leicht siegen.
Am Schluß hatte ich 50%, wurde aber auf Grund der schlechtesten Feinwertung nur 8. von 10, was für die große Ausgeglichenheit sprach (Platz 3 und 8 trennten nur einen halben Punkt), und mußte damit zufrieden sein. Um den Turniersieg wurde noch ordentlich gekämpft, den sich der Favorit Carsten Herrmann vom Greifswalder SV mit einer sehenswerten Kombination am Ende nicht nehmen ließ.
Trotz des kleinen Teilnehmerfeldes wurde eine ordentliche Siegerehrung mit fast allen Beteiligten durchgeführt. Lobenswert war die ausführliche Statistik, die Überreichung von Urkunden mit Platzierung an jeden Spieler und die souveräne Turnierführung durch Guido Springer. Er hatte es aber auch leicht, da alle entspannt waren und nicht ein böses Wort fiel.
Mir hat es gefallen und mein Testurteil lautet : ohne Fehl und Tadel und eine Fahrt dorthin lohnt sich.

Mit besten Grüßen

Frank Walther
Vorsitzender SG Weißensee 49 e.V.

Der vollständige Turnierendstand :

Platz

Name

Verein

geb.

DWZ

g

u

v

Punkte

Feinwertung

1.

Carsten Hermann

Greifswalder SV

1982

1930

3

2

0

4,0

14,5

2.

Olaf Budach

SV Briesen

1979

1666

2

3

0

3,5

13,0

3.

Michael Hollatz

SV Gryps

1989

1573

3

0

2

3,0

15,5

4.

Jens Motullo

SF Schwerin

1970

1656

2

2

1

3,0

12,5

5.

Lars Romoth

SV Gryps

1989

1697

3

0

2

3,0

10,5

6.

Ronald Schulz

SV Turbine Neubrandenburg

1972

1634

1

3

1

2,5

13,5

7.

Ralf Kriese

Greifswalder SV

1970

1678

2

1

2

2,5

13,0

8.

Frank Walther

SG Weißensee 49

1958

1574

2

1

2

2,5

9,5

9.

Dirk Romoth

SV Gryps

1960

1173

0

1

4

0,5

12,0

10.

Olaf Schmidt

SV Gryps

1962

885

0

1

4

0,5

11,5

Hier der Bericht als *.pdf-Datei zum download


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